Lehrgang Bindungsorientierung



Lehrgangstermine:
+ Bindungsgrundlagen: Fr., 15.01.2021
+ Unsichere Bindungsmuster Teil I: Fr., 19.03.2021
+ Unsichere Bindungsmuster, Teil II: Fr., 09.04.2021
+ Desorganisiertes Bindungsmuster: Fr., 14.05.2021
+ Affektregulation und Mentalisierung: Fr., 18.06.2021
+ Bindung und Paarbeziehung: Fr., 01.10.2021
+ Das eigene Bindungsmuster: Fr., 19.11.2021

immer Freitags von 09:00-18:30 Uhr, gesamt 70 Einheiten

Info-Broschüre Terminplan

Lehrgangsüberblick

Kosten: EUR 2100,- inkl. USt.
Referentin: Mag. Karin Pinter
Anmeldeschluss: zwei Wochen vor Lehrgangsstart
Veranstaltungsort des Lehrgangs : Wien
Weiterbildung für PsychotherapeutInnen, Klinische PsychologInnen, GesundheitspsychologInnen, Lebens- und SozialberaterInnen, Berufsgruppen aus dem psychosozialen und pädagogischen Bereich

Lehrgangsbeschreibung

Die Bindungstheorie und -forschung hat in den letzten 70 Jahren wesentlich zu einem besseren Verständnis der psychischen und emotionalen Entwicklung des Menschen beigetragen. Das Faktum eines biologisch angelegten essentiellen Bedürfnisses nach Nähe und Verbundenheit zu einem Menschen, das über die gesamte Lebensspanne anhält, verändert die Perspektiven auf das breite Spektrum der therapeutischen und beratenden Angebote für Erwachsene im psychosozialen Umfeld.

Bindung spielt in allen wichtigen zwischenmenschlichen Beziehungen eine Rolle. Sie ist das stille emotionale „Hintergrundprogramm“, das wichtige Beziehungen gestaltet: die Eltern-Kind-Beziehung, die Paarbeziehung und auch die therapeutische Beziehung. Frühe Bindungserfahrungen prägen das Fühlen, das Erleben, das Verhalten, die Wahrnehmung, ja sogar das Denken. Bindungsmuster sind komplexe dynamische und emotionale Prozesse, die die Macht haben, vertraute Situationen immer wieder herzustellen, und zwar auch verletzende und pathologische Beziehungskonstellationen.

Was passiert aber, wenn dieses unbewusste „Bindungsprogramm“ auf negativen Erfahrungen basiert und als unsichere Bindungsmuster in gegenwärtigen Beziehungen wirksam wird?

In diesem praxisorientierten Lehrgang soll zunächst die Komplexität des Bindungsgeschehens auf der Basis der Bindungsforschung dargestellt werden. In den verschiedenen Modulen zu unterschiedlichen Schwerpunkten wird die Bindungsorientierung sowohl beim Identifizieren von problematischen Beziehungsdynamiken als auch beim Intervenieren an Hand von praktischen Beispielen veranschaulicht.

Der Fokus auf gegenwärtige Beziehungsinteraktionen und Dynamiken sowie die Aufmerksamkeit auf Affekte und die Reflexionskapazität ist für die Bindungsorientierung essentiell. Die Arbeit mit dem „impliziten“ Beziehungsgeschehen (Übertragung/Enactment) erfordert ein Umdenken. Das kognitiv ausgerichtete Verstehen und Intervenieren in Beratung und Behandlung kann durch ein exploratives emotionales Verstehen erweitert werden und neue Bindungserfahrungen ermöglichen. Bindungsorientierte Interventionen vermögen darüber hinaus die reflexiven Kapazitäten zu erweitern. Das psychodynamische Konzept der Mentalisierung von Peter Fonagy spielt dabei eine wichtige Rolle.

Bindungsgrundlagen
+ „Sicher, unsicher, desorganisiert gebunden?“
+ Die Bedeutung der Bindung für die klinische Praxis

Unsichere Bindungsmuster I
+ „Ängstlich-ambivalent gebunden in der Praxis"
+ Grundprinzipien, Fallvignetten und Übungen

Unsichere Bindungsmuster II
+ „Vermeidend gebunden in der Praxis“
+ Grundprinzipien, Fallvignetten und Übungen

Desorganisiertes Bindungsmuster in der Praxis
+ „Unverarbeitetes Trauma und Bindung“
+ Grundprinzipien, Fallvignetten und Übungen

Affektregulation und Mentalisierung
+ „Affektregulation – aber wie?“
+ Fallvignetten und Übungen

Bindung und Paarbeziehung
+ „Kann Liebe verschwinden?
+ Paarkonflikte und -dynamiken aus der Bindungsperspektive“
+ Fallvignetten

Das eigene Bindungsmuster
+ „Wirkfaktor in der therapeutischen Beziehung?“
+ Tests, Übungen und Supervision


Methoden
+ Vortrag mit PowerPoint Folien
+ Handouts, eigene Fachartikel
+ Verwendung von elektronischen Medien
+ Fallpräsentationen mit Diskussion
+ Kleingruppenarbeit

Über die Referentin

Mag. Karin Pinter
+ Psychoanalytikerin und Supervisorin in freier Praxis in Wien
+ Langjährige Tätigkeit in der sozialwissenschaftlichen Forschung.
+ Zahlreiche Vorträge, Seminare und Publikationen.
+ Langjährige Redakteurin und zuletzt Chefredakteurin der Fachzeitschrift „Psychotherapie Forum“.

Zertifizierung

Voraussetzung ist die 90%ige Teilnahme an den Modulen. Aktive Mitarbeit und Einbringen eigener klinischer Erfahrungen sind wesentlich. Insbesondere die Darstellung einer Fallvignette und Interventionsüberlegungen dazu sind bis zum Ende des Seminares einzubringen, um den Lernfortschritt zu dokumentieren.